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15. April 2012

Die verkaufte BrautProdaná Nevěsta

Komische Oper in drei Akten von Bedřich Smetana

»Da ist nichts krampfhaft aktualisiert, nichts angestaubt, vieles dagegen ist inspiriert und einfallsreich. Balázs Kovalik macht aus 'Der verkauften Braut' ein fein ironisiertes Bilderbuchidyll, leicht und doch ganz ernst genommen. Absolut sehenswert.« ...

»Da ist nichts krampfhaft aktualisiert, nichts angestaubt, vieles dagegen ist inspiriert und einfallsreich. Balázs Kovalik macht aus 'Der verkauften Braut' ein fein ironisiertes Bilderbuchidyll, leicht und doch ganz ernst genommen. Absolut sehenswert.« (Inforadio vom RBB)

Temperamentvoll musikantisch, rhythmisch zündend und ohne Probleme behaftet scheint die Musik zu Smetanas erfolgreichster Oper »Die verkaufte Braut« im Gegensatz zu der nicht unproblematischen, frei erfundenen Handlung des Librettisten Karel Sabina zu sein: Eine Geliebte einfach an einen Heiratsvermittler zu verkaufen, ist so ziemlich das Schäbigste, was man einer jungen Frau antun kann, auch wenn die Geschichte in einen glücklichen Schluss mündet und Mařenka ihren Jeník statt des schwachsinnigen Vašek heiraten darf. Smetanas komische Oper in drei Akten feiert in der neuen Inszenierung des jungen ungarischen Regisseurs Balázs Kovalik seine Premiere auf der Bühne des Schiller Theaters.

Trotz der stets betonten Aspekte einer nationalen Oper für die Tschechen stellt sich auch heute noch die zentrale Ausgangsfrage in dieser Oper zum Thema Geld und Liebe: Was passiert eigentlich, wenn wir die Liebe verkaufen? Und wer verkauft wen? Verrat, Lüge und Verkauf scheinen in unserer Gesellschaft heute alltäglich geworden zu sein.

Jede Figur im Mikrokosmos des Dorfes zeigt in der Handlung der Oper egoistische, habgierige oder eitle Züge. Das Spiel mit und um die Liebe ereignet sich auch heute tagtäglich. Und man verliert dabei etwas Menschliches. So bewegt sich auch die Handlung der »Verkauften Braut« stets am Abgrund. Als Maxime gilt die Verfolgung des eigenen Ziels. Die Musik dagegen schafft ein reiches Beziehungsgeflecht und eine vielseitige Struktur. Ihre Schönheit, ihre Farben und ergreifenden Momente begleiten das konfliktreiche Leben der Dörfler am Tag der Kirchweih. Die musikalische Nostalgie erweist sich hier als Mittel, das Leben selbst ist aber nicht mehr nostalgisch.



    In deutscher Sprache
    3:00 h | inklusive 1 Pause
    • Inhalt

      ERSTER AKT

      Ein böhmisches Dorf. Kirchweihfest. Das Dorfvolk feiert.

      Mařenka, Tochter von Bauer Krušina und Ludmila, ist nicht in Festtagslaune. Ihre Eltern arrangierten für den heutigen Tag ein Treffen mit ihrem künftigen Ehemann, den sie nicht kennt. In einem Gespräch plant der Heiratsvermittler Kecal mit den Eltern Mařenkas die Eheschließung. Vašek, der zweite Sohn des reichen Gutsbesitzers, ist der vorgesehene Bräutigam. Kecal bemüht sich, Krušina und Ludmila vollends zu überzeugen und lobt einerseits seinen eigenen Scharfsinn, andererseits auch Vašeks Wohlstand und Tugenden in höchsten Tönen.

      Mařenka liebt Jeník, den Sohn aus erster Ehe des Grundbesitzers Micha. Jeník verschweigt seine genaue Herkunft und verrät nur, dass er von einem reichen Hof stammt, den er wegen der Stiefmutter verließ. Mařenka und Jeník schwören sich gemeinsam ewige Treue.

      Mařenka soll den ausgehandelten bereitliegenden Ehevertrag unterschreiben. Sie widersetzt sich dem und erklärt, dass sie bereits einen Bräutigam hat. Vater Krušina weist seine Tochter darauf hin, dass er sie schon vor Jahren dem Sohne Michas versprochen habe. Auch das bringt Mařenka nicht dazu, ihre Unterschrift zu geben.

      Unterdessen schreitet das Fest fort und der Tanz beginnt.


      ZWEITER AKT

      Im Wirtshaus des Dorfes sitzen die Landleute beim Bier. Unter ihnen sind auch Jeník und Kecal. Der stotternde Vašek erscheint. In einem Gespräch zieht Mařenka Vašeks Aufmerksamkeit auf sich, ohne sich ihm zu erkennen zu geben. Sie erzählt ihm von der Boshaftigkeit Mařenkas und entlockt ihm das Versprechen, auf Mařenka zu verzichten. Liebend gern würde Vašek stattdessen sie, das ihm unbekannte Mädchen, nehmen.

      Inzwischen versucht Kecal, Jeník von Mařenka abzubringen. Er besticht ihn mit Geld. Jeník durchschaut Kecals Absichten und erkennt den Zusammenhang. Nachdem er die Summe auf dreihundert Gulden hochgetrieben hat, geht er auf den Handel ein, allerdings nur unter der Bedingung, dass allein der Sohn Michas Mařenka zur Frau nehmen dürfe.

      Die Dorfleute, Krušina befindet sich auch unter ihnen, sind empört über diesen Handel.


      DRITTER AKT

      Vašek bedauert seine Lage und fragt sich, was er tun soll. Er ist verwirrt: »Alle wollen mich lieben oder mich töten!« Heiratsvermittler Kecal, Grundbesitzer Micha und seine zweite Frau Háta kommen, um den aufgesetzten Heiratsvertrag von Vašek unterschreiben zu lassen. Doch Vašek weigert sich, dies zu tun, weil, wie er erklärt, ihm ein fremdes Mädchen erzählt habe, dass Mařenka ihn töten werde.

      Mařenka ist außer sich: Krušina und Kecal haben ihr von dem Verrat durch Jeník berichtet. Sie will es nicht glauben. In Mařenka erkennt Vašek diejenige wieder, die ihm Liebe versprochen und von seiner Braut erzählt hat. Dadurch scheint für alle, außer Mařenka, die Sache wieder in Ordnung zu kommen. Wiederum kann sie nichts zu ihrer Unterschrift unter den Ehevertrag bewegen. Allein und in Trauer erinnert sie sich wehmütig an ihre Liebe zu Jeník.

      Eine Zirkustruppe taucht auf. Vašek verliebt sich in die Tänzerin Esmeralda. Der Bärennummern-Darsteller liegt betrunken im Wirtshaus. Schnell muss Ersatz für die bevorstehende Vorstellung gefunden werden. Esmeralda und der Zirkusdirektor überreden Vašek, dass er einspringt. Dafür verspricht ihm Esmeralda ihre Liebe.

      Als Jeník und Mařenka sich begegnen, kommt es zur Auseinandersetzung. Mařenkas Wut lässt Jeník nur lachen. Kecal erinnert Jeník an ihre Ab­machung, dass er Mařenka verlassen soll. Es scheint, dass Jeník auf Kecals Seite sei, was Mařenka entsetzt. Aus Trotz und Verletztheit stimmt sie nun einer Heirat mit Vašek zu. Die Anderen sind erleichtert.

      Erst jetzt gibt sich Jeník als verschollen geglaubter Sohn von Micha und dessen erster Frau zu erkennen. Somit treten schlussendlich alle Verträge und Abmachungen auf andere Weise in Kraft: Jeník darf Mařenka heiraten. Zusätzlich bekommt er noch die dreihundert Gulden. Der Heiratsvermittler versteht die Welt nicht mehr. Aller Wut richtet sich nun gegen ihn, der durch seine vermeintliche Schlauheit sie vormals so verunsichert hat.

    • Pressestimmen

      »Balázs Kovalik hat aus 'Die verkaufte Braut' ein anderes Stück gemacht: 'Der misshandelte Vašek'. Der junge Tenor Florian Hoffmann gibt diesem Mobbingopfer singend und spielend alles, was es braucht, um uns aufzustören und zu beschämen. Durch den fotorealistischen Wald werden immer wieder Vitrinen alten Lebens geschoben. Sie enthalten Wunschträume gelingenden Lebens und sind zugleich Glas-Särge individueller Freiheit. Die Pracht der Gewänder muss entschädigen für die Preisgabe biographischer Selbstgestaltung. Das ist zwar kompliziert, aber nicht dumm, wie durch diese Vitrinen Musealität und Aktualität im Musiktheater konfrontiert werden … Leicht und flott saust Dirigent Karl-Heinz Steffens mit der Staatskapelle durch die Partitur, als wäre sie eine Suite slawischer Tänze.« (FAZ)

      »Da ist nichts krampfhaft aktualisiert, nichts angestaubt, vieles dagegen ist inspiriert und einfallsreich. Balázs Kovalik macht aus 'Der verkauften Braut' ein fein ironisiertes Bilderbuchidyll, leicht und doch ganz ernst genommen. Absolut sehenswert.« (Inforadio vom RBB)

      »Es ist Balázs Kovaliks wunderbare Regie, die das Werk nicht nur vor seiner eingebauten Folklore rettet, sondern ihm mit feiner Personenzeichnung seine menschlich berührende Komik zurück gibt, die sonst unter der ständigen Volkstanzerei leicht untergeht. Das liegt vor allem daran, dass Kovalik die Figur des Vašek die heimliche Hauptrolle spielen lässt. Ein stotternder 'Blödian', so nennt ihn sogar seine Mutter. Das ist er hier nicht, sondern ein vernachlässigtes Kind aus der zweiten Ehe eines grausamen Großbauern, das sich stotternd nach Liebe sehnt, weniger des Unterleibs als der Seele. Der Tenor Florian Hoffmann, der schon in Strawinskys 'Rake's Progress' das Schiller Theater zum Jubeln brachte, singt diesen behinderten Menschen so wundervoll zart, dass er zum emotionalen Schwerpunkt des Stücks wird, das damit eine melancholische Tiefe gewinnt, die sonst kaum zu hören ist.« (taz)

      »Balázs Kovalik hat nicht nur den Deutungshorizont für die 'Verkaufte Braut' erweitert - sie bietet auch beste Unterhaltung. Ständig verschiebt sich was, begegnen sich zwei eigentlich unabhängige Szenen, es gibt kurzweilige Spezialeffekte (bis hin zu einer richtigen zersägten Jungfrau). Die beiden Hauptdarsteller ragen heraus: Der mit der Strahlkraft eines Heldentenors ausgestattete Burkhard Fritz als Jeník und Anna Samuil als Mařenka.« (Die Welt)

      »Die allesamt fantastischen Sänger und die wirklich schmissig aufspielende Staatskapelle (Leitung Karl-Heinz Steffens) sorgen für einen gelungenen Opernabend.« (B.Z.)

      »Sie alle, die da singen, sind mehr oder minder Opfer eines Geschehens, das nur oberflächlich erheiternden Charakter besitzt. 'Die verkaufte Braut' ist im Grunde die unkomischste aller komischen Opern. Das sieht Kovaliks Inszenierung ganz richtig. Das Hauptopfer wird dabei der arme, stotternde, geistig offenbar zurückgebliebene Vašek, den Florian Hoffmann frischstimmig und voller zitternder Unternehmungslust singt. Er macht die Nebenrolle mit ihren immerwährenden seelisch tiefen Verstörungen annähernd zu einer Hauptpartie.Die entzückende Anna Samuil, das Mädchen mit dem Zaubersopran, um das sich alles dreht, spannt manchmal ihre Stimme weit wie einen vokalen Sonnenschirm auf und lässt schon ahnen, wie sie später als reifer dramatischer Sopran klingen wird. Burkhard Fritz an ihrer Seite, der Liebhaber mit den zahlreichen juristischen Tricks, ist ein kerniger Liebhaber.« (Berliner Morgenpost)